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Deutschland bei der EM 2024: Der Weg der DFB-Elf bei der Heim-EM

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Deutschland EM 2024 – deutsche Fußballspieler feiern ein Tor vor begeisterten Fans

Die Deutschland EM Spiele der EURO 2024 schrieben ein neues Kapitel in der Geschichte des deutschen Fußballs. Nach den Enttäuschungen der Vorjahre — dem WM-Aus 2018 in der Gruppenphase, dem Achtelfinal-K.o. gegen England 2021, dem erneuten Gruppenaus in Katar 2022 — kam die Heim-EM zur rechten Zeit. Ein Land, das sich nach positivem Fußball sehnte, und eine Mannschaft, die unter Julian Nagelsmann einen radikalen Neuanfang wagte. Die Erwartungen schwankten zwischen vorsichtiger Hoffnung und blanker Skepsis.

Fünf Spiele absolvierte die DFB-Elf bei diesem Turnier. Drei davon gewann sie, eines endete unentschieden, eines verloren. Das Aus kam im Viertelfinale gegen Spanien, den späteren Europameister, nach Verlängerung und einem umstrittenen Handspiel, das nicht geahndet wurde. Ein Ergebnis, das schmerzte, aber nicht enttäuschte — zu überzeugend war der Auftritt gewesen, zu nah dran am großen Wurf. Deutschland spielte seinen besten Fußball seit Jahren, und das Land feierte mit.

Dieser Überblick rekonstruiert den Weg der deutschen Nationalmannschaft durch die EURO 2024. Er zeigt die Spiele, die Spieler, die entscheidenden Momente und die Statistiken dahinter. Vom triumphalen 5:1 gegen Schottland bis zum bitteren 1:2 gegen Spanien — hier ist die Geschichte eines Sommers, der Deutschland wieder mit seiner Nationalelf versöhnte und Hoffnung für die Zukunft weckte.

Der Kader: Nagelsmanns Auswahl

Die 26 Spieler, die Julian Nagelsmann für die Heim-EM nominierte, spiegelten seinen Ansatz wider: Jugend und Erfahrung, Kreativität und Stabilität, Mut und Kontrolle. Der Bundestrainer, der im September 2023 übernommen hatte, formte eine Mannschaft, die mehr war als die Summe ihrer Teile. Seine Auswahl überraschte in Details, aber das Grundgerüst stand fest.

Im Tor vertraute Nagelsmann auf Manuel Neuer, den Rekordnationalspieler auf dieser Position. Der Bayern-Keeper, 38 Jahre alt während des Turniers, sollte Führung und Erfahrung einbringen — ein Statement gegen die Stimmen, die einen Generationswechsel forderten. Marc-André ter Stegen und Oliver Baumann vervollständigten das Torwart-Trio.

Die Abwehr kombinierte erfahrene Kräfte wie Antonio Rüdiger und Jonathan Tah mit den aufstrebenden Maximilian Mittelstädt und David Raum auf den Außenpositionen. Joshua Kimmich, eigentlich Mittelfeldspieler, übernahm die rechte Seite der Viererkette — eine Lösung, die funktionierte, aber Fragen offenließ.

Das Mittelfeld war das Herzstück. Toni Kroos, zurück aus dem Nationalmannschafts-Ruhestand, dirigierte das Spiel mit der Gelassenheit eines Weltmeisters. Neben ihm agierten Ilkay Gündogan und Robert Andrich, je nach Gegner und Spielsituation. Die Flexibilität war Programm.

Vorn setzten Jamal Musiala und Florian Wirtz die Akzente. Die beiden 21-Jährigen verkörperten die Zukunft des deutschen Fußballs und lieferten bereits in der Gegenwart. Kai Havertz agierte als falsche Neun, Leroy Sané und Maximilian Beier boten Alternativen. Thomas Müller, mit 34 Jahren der Erfahrenste im Angriff, kam von der Bank — ein Rollenwechsel, den er akzeptierte.

Nagelsmann selbst schrieb bei diesem Turnier Geschichte. Laut UEFA Tournament Summary war er mit 36 Jahren und 327 Tagen der jüngste Trainer in der Geschichte der Europameisterschaften. Eine Statistik, die seine Berufung unterstrich — und den Druck erhöhte.

Gruppenphase: Souveräner Start

Das Eröffnungsspiel gegen Schottland am 14. Juni 2024 in München setzte den Ton für das gesamte Turnier. Deutschland gewann 5:1, und das Ergebnis erzählte nur einen Teil der Geschichte. Die Art und Weise, wie die DFB-Elf auftrat, überraschte selbst Optimisten. Florian Wirtz erzielte nach zehn Minuten das erste Tor, Jamal Musiala legte nach, zur Halbzeit stand es 3:0. Die zweite Hälfte brachte Tore von Havertz (Elfmeter), Füllkrug und ein Eigentor der Schotten. Die Allianz Arena feierte, und Deutschland träumte wieder.

Die Einschaltquoten bestätigten die Euphorie. Laut AGF Videoforschung verfolgten 24,182 Millionen Zuschauer das Spiel im deutschen Fernsehen — ein Wert, der die Bedeutung dieses Abends unterstrich. Die Nation war vereint vor den Bildschirmen, und die Mannschaft lieferte.

Das zweite Gruppenspiel gegen Ungarn am 19. Juni in Stuttgart war erwartungsgemäß schwieriger. Die Ungarn unter Marco Rossi verteidigten kompakt, lauerten auf Konter, machten das Spiel eng. Deutschland gewann 2:0 durch Tore von Musiala und Gündogan, aber die Leichtigkeit des Auftakts fehlte. Sechs Punkte nach zwei Spielen, Platz eins gesichert — die Pflicht war erfüllt.

Das dritte Gruppenspiel gegen die Schweiz am 23. Juni in Frankfurt offenbarte die ersten Schwächen. Die Eidgenossen, gut organisiert und mutig nach vorn, gingen durch Dan Ndoye in Führung. Deutschland brauchte bis zur 92. Minute, um durch Niclas Füllkrug den Ausgleich zu erzielen. Das 1:1 bedeutete sieben Punkte und Platz eins in der Gruppe A, aber die Defensive zeigte Risse, die später noch relevant werden sollten.

Die Bilanz der Gruppenphase: Zwei Siege, ein Unentschieden, 8:2 Tore, Platz eins. Deutschland hatte geliefert, was erwartet wurde — und phasenweise mehr. Die Frage war nun, ob die Mannschaft dieses Niveau in der K.O.-Runde halten konnte.

Achtelfinale: Deutschland vs. Dänemark

Das Achtelfinale gegen Dänemark am 29. Juni in Dortmund begann mit einem Naturschauspiel. Kurz nach Anpfiff brach ein Unwetter über den Signal Iduna Park herein, Blitze zuckten über dem Stadiondach, Hagel prasselte auf die Tribünen. Schiedsrichter Michael Oliver unterbrach das Spiel für über zwanzig Minuten. Die Spieler verschwanden in der Kabine, die Fans suchten Schutz, und für einen Moment war unklar, ob die Partie überhaupt fortgesetzt werden konnte.

Als es weiterging, zeigte Deutschland Charakter. Die Unterbrechung hatte den Rhythmus gestört, aber nicht die Konzentration. In der 53. Minute erzielte Musiala das vermeintliche 1:0, doch der VAR entschied auf Handspiel im Aufbau — kein Tor. Dänemark jubelte kurz darauf über einen eigenen Treffer, aber auch dieser wurde wegen Abseits aberkannt. Es war ein Spiel, in dem der Videoassistent beide Seiten traf.

In der 54. Minute dann die Szene, die das Spiel entschied. Joachim Andersen, der zuvor den deutschen Treffer per Handspiel verhindert hatte, spielte im eigenen Strafraum den Ball an den Arm. Elfmeter für Deutschland, Kai Havertz trat an und verwandelte sicher. 1:0, und der Gastgeber atmete durch.

Jamal Musiala erhöhte in der 68. Minute auf 2:0. Ein Dribbling durch die dänische Abwehr, ein präziser Schuss ins lange Eck — das Tor des 21-Jährigen besiegelte den Einzug ins Viertelfinale. Dänemark versuchte alles, kam aber nicht mehr heran. Deutschland stand unter den letzten Acht, und der Traum vom Titel lebte weiter.

Das Spiel hatte alles: Drama durch das Wetter, Kontroversen durch VAR-Entscheidungen, Qualität in den entscheidenden Momenten. Dortmund erlebte einen Abend, der in Erinnerung bleiben wird — auch wenn das Ergebnis für Deutschland positiv war.

Viertelfinale: Das Ende gegen Spanien

Das Viertelfinale gegen Spanien am 5. Juli in Stuttgart war das Spiel, auf das alle gewartet hatten. Die beiden besten Mannschaften des Turniers, zu früh aufeinandertreffen — viele bedauerten die Auslosung, aber die Konstellation versprach ein Duell auf höchstem Niveau. Die Mercedes-Benz Arena war ausverkauft, 54.000 Zuschauer erwarteten ein Fußballfest. Sie wurden nicht enttäuscht.

Spanien begann dominant, kontrollierte Ballbesitz und Räume. In der 51. Minute fiel das 1:0: Lamine Yamal flankte von rechts, Dani Olmo köpfte ein. Deutschland lag zurück, und die spanische Defensive wirkte in diesem Moment unüberwindbar. Nagelsmann wechselte offensiv, brachte Füllkrug und Sané, aber die Chancen blieben rar.

Bis zur 89. Minute. Florian Wirtz bekam den Ball am Strafraumrand, drehte sich, schoss — und traf. 1:1, die Arena explodierte. Deutschland lebte noch, die Verlängerung war erzwungen, und plötzlich schien alles möglich. Es war ein Tor für die Ewigkeit, geboren aus dem Nichts, in einem Moment, als die Hoffnung bereits schwand.

Die Verlängerung brachte weitere Dramatik. Musiala traf den Pfosten, Spanien hatte Chancen, beide Teams kämpften um jeden Zentimeter. In der 106. Minute dann die Szene, die Deutschland noch lange beschäftigen wird: Ein Schuss von Musiala prallte im Strafraum an den ausgestreckten Arm von Marc Cucurella. Die deutschen Spieler forderten Elfmeter, der Schiedsrichter ließ weiterspielen, der VAR griff nicht ein. Eine Entscheidung, die kontrovers war und bleibt.

In der 119. Minute fiel die Entscheidung. Mikel Merino köpfte nach einer Ecke zum 2:1 für Spanien ein. Es blieben nur noch Sekunden, und Deutschland fand keine Antwort mehr. Der Traum war vorbei, das Aus besiegelt. Die Spieler sanken auf den Rasen, die Fans schwiegen, ein Land verarbeitete das Ende seiner Heim-EM.

Die TV-Zahlen dokumentierten die nationale Bedeutung dieses Spiels. Laut AGF Videoforschung sahen 27,154 Millionen Deutsche die Partie — ein Marktanteil von 80,9 Prozent. Es war das meistgesehene TV-Ereignis in Deutschland seit über zehn Jahren. Ein Spiel, das in die Geschichte einging, auch wenn das Ende schmerzte.

Philipp Lahm, Turnierdirektor der EURO 2024 und selbst Weltmeister 2014, ordnete das Ergebnis später in einem UEFA-Interview ein: „EURO 2024 hat eine hoffnungsvolle Perspektive auf die Welt geboten. Das ist, meiner Meinung nach, soziale Nachhaltigkeit.“ Die Niederlage gegen Spanien war bitter, aber der Gesamteindruck des Turniers blieb positiv.

Statistiken der DFB-Elf

Die nackten Zahlen erzählen ihre eigene Geschichte. In fünf Spielen erzielte Deutschland 11 Tore — ein Schnitt von 2,2 pro Partie. Nur Spanien, der spätere Europameister, traf häufiger (15 Tore in 7 Spielen). Die Offensive funktionierte, die Kreativität war vorhanden, die Chancenverwertung stimmte größtenteils. Im Vergleich zu den vorherigen Turnieren, bei denen Deutschland oft an der eigenen Ineffizienz scheiterte, war der Fortschritt unübersehbar.

Auf der anderen Seite standen 4 Gegentore, davon keines in den ersten beiden Gruppenspielen. Die Schweiz traf in der Nachspielzeit des dritten Gruppenspiels, Spanien zweimal im Viertelfinale. Die Defensive war solider als bei den vergangenen Turnieren, auch wenn der späte Ausgleich der Schweizer und die beiden Gegentore gegen Spanien zeigten, dass Verbesserungspotenzial besteht. Die Null stand in zwei von fünf Spielen — akzeptabel, aber nicht herausragend.

Jamal Musiala war der überragende Spieler der DFB-Elf. Drei Tore und eine Vorlage in fünf Spielen, dazu zahlreiche Dribblings, gewonnene Zweikämpfe und kreative Impulse. Der 21-Jährige bestätigte seinen Status als einer der besten Spieler seiner Generation und zog die Blicke der europäischen Topklubs auf sich. Florian Wirtz steuerte ein Tor und mehrere Vorlagen bei, sein Ausgleich gegen Spanien wird unvergessen bleiben. Kai Havertz traf zweimal vom Elfmeterpunkt und zeigte, dass er unter Druck funktioniert.

Die TV-Resonanz auf die deutschen Spiele war enorm. Alle fünf Partien zählten zu den meistgesehenen Sendungen des Jahres 2024. Der Marktanteil von 80,9 Prozent beim Viertelfinale gegen Spanien zeigt, wie sehr die Nation mitfieberte. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Anteil sogar bei 89,7 Prozent — eine Zahl, die die Verbindung zwischen Mannschaft und jüngerer Generation belegt. Deutschland schaute Fußball, und Deutschland schaute gemeinsam.

Die Ballbesitz-Statistik zeigte ein ausgeglichenes Bild. Gegen schwächere Gegner dominierte Deutschland den Ball, gegen Spanien war das Verhältnis umgekehrt. Die taktische Flexibilität war ein Merkmal dieser Mannschaft — sie konnte dominieren, aber auch reagieren. Die Laufleistung gehörte zu den höchsten des Turniers, das Pressing funktionierte in den meisten Phasen.

Nagelsmann: Der jüngste Trainer

Julian Nagelsmann übernahm die Nationalmannschaft im September 2023, nach dem Rücktritt von Hansi Flick. Der damals 36-Jährige war eine mutige Wahl: jung, ambitioniert, aber ohne internationale Erfahrung als Nationaltrainer. Die Kritiker fragten, ob er dem Druck einer Heim-EM gewachsen sei. Die EURO 2024 gab eine Antwort.

Nagelsmanns Ansatz war von Beginn an klar: offensiver Fußball, hohes Pressing, Mut zum Risiko. Die Rückkehr von Toni Kroos aus dem Nationalmannschafts-Ruhestand war sein erster großer Coup. Kroos brachte Ruhe und Erfahrung, aber auch eine spielerische Klasse, die im deutschen Mittelfeld gefehlt hatte. Die Entscheidung, auf Musiala und Wirtz als kreative Doppelspitze zu setzen, erwies sich als goldrichtig.

Taktisch variierte Nagelsmann je nach Gegner. Gegen Schottland ließ er offensiv pressen, gegen Ungarn kontrollierter spielen, gegen Spanien ein 4-2-3-1 mit Fokus auf Konter. Die Flexibilität war ein Markenzeichen, auch wenn sie manchmal auf Kosten der Stabilität ging. Die Umstellungen während der Spiele zeigten sein taktisches Verständnis, aber auch seine Nervosität in entscheidenden Momenten.

Die Kritik nach dem Aus gegen Spanien hielt sich in Grenzen. Die meisten Beobachter lobten Nagelsmann für den Aufbau einer Mannschaft, die wieder Identität hatte. Die Niederlage war unglücklich, nicht unverdient — ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Der DFB verlängerte seinen Vertrag bereits vor dem Turnier bis zur WM 2026, ein Vertrauensbeweis, der sich als richtig erweisen könnte.

Reaktionen und Ausblick

Die Reaktionen auf das Ausscheiden waren gemischt, aber überwiegend positiv. Die Medien lobten den Auftritt der Mannschaft, kritisierten höchstens Details — das ungeahndete Handspiel, die späte Einwechslung von Füllkrug, die defensive Anfälligkeit in der Verlängerung. Aber der Grundton war versöhnlich: Deutschland hatte ein gutes Turnier gespielt, war knapp an einem großen Gegner gescheitert, hatte Grund zur Hoffnung. Die Bild-Zeitung titelte mit Respekt statt Häme, die FAZ analysierte sachlich, der Kicker vergab gute Noten.

Die Spieler selbst brauchten Zeit, um das Aus zu verarbeiten. Musiala sprach von „Leere“, Gündogan von „Enttäuschung“, Nagelsmann von „Stolz auf das Erreichte“. Toni Kroos, der nach dem Turnier seine aktive Karriere beendete, wurde mit Standing Ovations verabschiedet — ein Abschluss, der seiner Bedeutung für den deutschen Fußball gerecht wurde. Sein Rücktritt hinterlässt eine Lücke im Mittelfeld, die nicht leicht zu füllen sein wird.

Der Blick richtete sich schnell auf die Zukunft. Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada steht bevor, und Deutschland will dabei sein — nicht nur als Teilnehmer, sondern als Titelkandidat. Die EURO 2024 hat gezeigt, dass der Kader das Potenzial hat. Die Frage ist, ob die Entwicklung fortgesetzt werden kann, ob die jungen Spieler weiter reifen und ob die strukturellen Probleme im deutschen Fußball gelöst werden.

Die Nations League 2024/25 wird der erste Test für die Post-Kroos-Ära. Nagelsmann muss neue Lösungen für das Mittelfeld finden, muss die Balance zwischen Offensive und Defensive justieren, muss den Schwung der Heim-EM in den Alltag übertragen. Die Fans werden genau hinschauen — die Euphorie des Sommers hat Erwartungen geweckt, die erfüllt werden wollen.

Für detaillierte Informationen zur EURO 2024 verweisen wir auf den UEFA Tournament Summary und die Statistiken der AGF Videoforschung.

Die Heim-EM als Wendepunkt

Die EURO 2024 markiert einen Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des deutschen Fußballs. Nach drei enttäuschenden Turnieren in Folge — WM 2018, EM 2021, WM 2022 — war die Skepsis groß und berechtigt. Die Nationalmannschaft hatte Fans verloren, die Verbindung zwischen Team und Publikum war gerissen, die Spieler wurden kritischer beäugt als je zuvor. Die Heim-EM sollte das ändern, und sie tat es auf beeindruckende Weise.

Das 5:1 gegen Schottland zum Auftakt war mehr als ein sportlicher Erfolg. Es war ein Signal, dass diese Mannschaft anders ist, dass sie Freude am Spiel hat, dass sie für die Fans spielen will. Die Bilder der jubelnden Spieler, der singenden Tribünen, der Autokorsos in den Städten — sie erinnerten an bessere Zeiten, an das Sommermärchen 2006, an den WM-Triumph 2014. Deutschland feierte wieder Fußball, und die Nationalmannschaft war der Grund dafür.

Der Kader verjüngte sich während des Turniers gefühlt, auch wenn die Alterspanne von Neuer (38) bis Musiala (21) erheblich war. Die Zukunft gehört Spielern wie Musiala, Wirtz, Mittelstädt — einer Generation, die bei dieser EM ihre ersten Erfahrungen auf der großen Bühne sammelte und die Erwartungen übertraf. Die Basis für die kommenden Jahre ist gelegt, die Talente sind identifiziert, die Hierarchien neu sortiert. Der deutsche Fußball hat wieder eine Perspektive.

Natürlich blieben Fragen offen. Die Defensive ist noch nicht auf dem Niveau der Offensive, die Breite des Kaders wurde nicht vollständig ausgereizt, und das Glück fehlte in entscheidenden Momenten. Das Handspiel von Cucurella, das nicht gepfiffen wurde, der Pfostenschuss von Musiala — solche Details entscheiden Spiele, und sie entschieden gegen Deutschland. Aber diese Fragen sind lösbar, diese Probleme sind bekannt. Deutschland weiß, woran es arbeiten muss — das ist mehr, als man vor dem Turnier sagen konnte.

Die Heim-EM war kein Titel, aber sie war ein Neuanfang. Sie hat gezeigt, dass deutscher Fußball funktionieren kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Mannschaft an einem Strang zieht. Sie hat einer Generation von Spielern Selbstvertrauen gegeben und einer Nation Hoffnung zurückgebracht. Das ist mehr, als man von einem Turnier erwarten darf — auch wenn der Titel das krönende i-Tüpfelchen gewesen wäre.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob dieser Wendepunkt nachhaltig ist. Die WM 2026 wird der Gradmesser, aber auch die Qualifikationsspiele und die Nations League werden wichtige Tests. Nagelsmann muss beweisen, dass er nicht nur ein Turnier, sondern einen längerfristigen Prozess gestalten kann. Die Spieler müssen ihre Entwicklung fortsetzen. Und die Fans müssen die Geduld aufbringen, die ein Aufbauprozess erfordert. Wenn all das gelingt, wird die EURO 2024 rückblickend als der Moment gelten, in dem Deutschland zurückkam.