EM 2024 Gruppe D: Frankreich, Niederlande, Österreich, Polen
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Die EM Gruppe D wurde schon vor dem Turnier als Todesgruppe gehandelt. Mit Frankreich und den Niederlanden trafen zwei Titelfavoriten aufeinander, ergänzt durch das spielstarke Österreich und Polen als kampfstarken Außenseiter. Was auf dem Papier nach Toren und Spektakel aussah, entpuppte sich als taktisches Schachspiel mit überraschend wenigen Treffern. Am Ende stand Österreich als Gruppensieger fest — eine Sensation, die niemand vorhergesagt hatte.
Die Gruppe D war die Gruppe der Überraschungen und Enttäuschungen. Frankreich, der Weltmeister von 2018 und WM-Finalist von 2022, wirkte gehemmt und fand nie in seinen Rhythmus. Die Niederlande spielte solide, aber unspektakulär. Österreich hingegen nutzte die Gunst der Stunde und demonstrierte, dass Mut und Pressing auch gegen die Großen funktionieren können. Polen blieb chancenlos und schied als einziges Team ohne Punkt aus.
Teams
Frankreich
Die Équipe Tricolore kam als einer der großen Favoriten nach Deutschland. Kylian Mbappé, frisch zum Real Madrid gewechselt, sollte das Turnier dominieren, unterstützt von Antoine Griezmann, Ousmane Dembélé und einer soliden Defensive um William Saliba. Trainer Didier Deschamps setzte wie gewohnt auf Pragmatismus statt Spektakel. Die Frage war nur, ob das gegen die starke Konkurrenz in dieser Gruppe ausreichen würde. Die französische Presse erwartete mindestens das Halbfinale, die Fans träumten vom Titel.
Niederlande
Oranje hatte unter Ronald Koeman einen Neuanfang eingeleitet. Mit Memphis Depay als Torjäger, Virgil van Dijk als Abwehrchef und Cody Gakpo auf dem Flügel verfügte die Mannschaft über individuelle Klasse. Die Niederländer wollten nach dem Viertelfinale bei der WM 2022 einen Schritt weitergehen. Die Gruppe D bot die Chance, sich sofort mit den Besten zu messen. Die Frage war, ob die junge Generation den Druck aushalten würde, der mit dem Oranje-Trikot verbunden war.
Österreich
Das ÖFB-Team unter Ralf Rangnick war die Überraschungsmannschaft der Qualifikation gewesen. Der deutsche Trainer hatte Österreich einen aggressiven, pressingorientierten Stil verpasst, der auf Intensität und Laufbereitschaft setzte. David Alaba fehlte verletzt, aber Marcel Sabitzer und Konrad Laimer trugen die Verantwortung im Mittelfeld. Österreich galt als Geheimtipp — eine Bezeichnung, die sich als Untertreibung erweisen sollte. Die taktische Prägung durch Rangnick war deutlich: hohes Pressing, schnelles Umschalten, kein Respekt vor großen Namen.
Polen
Robert Lewandowski führte sein Team zum dritten Mal zu einer EM-Endrunde. Der Stürmerstar des FC Barcelona war die Hoffnung einer Nation, die im internationalen Fußball seit Jahren hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb. Trainer Michał Probierz hatte nach einer schwierigen Qualifikation übernommen und sollte das Team stabilisieren. Doch gegen die Qualität dieser Gruppe waren die Chancen gering. Polen setzte auf Lewandowskis Klasse im Abschluss und hoffte, mit defensiver Stabilität und effizienter Chancenverwertung bestehen zu können.
Spiele
Das erste Spiel der Gruppe setzte den Ton: Niederlande gegen Polen endete 2:1 für Oranje, aber die Leistung überzeugte nicht. Cody Gakpo und Wout Weghorst trafen für die Niederländer, Adam Buksa für Polen. Lewandowski saß angeschlagen auf der Bank und konnte nur zusehen. Im Parallelspiel besiegte Frankreich Österreich mit 1:0 — allerdings nur dank eines Eigentors von Maximilian Wöber (38. Minute). Trotz der Niederlage zeigte Ralf Rangnicks Team eine mutige Leistung und hatte durch Christoph Baumgartner kurz zuvor die beste Chance des Spiels.
Der zweite Spieltag brachte das Duell der Favoriten: Frankreich gegen die Niederlande. Es war ein Spiel, das als Vorgeschmack auf das Finale gehandelt wurde, aber als taktischer Nullnummer endete. Beide Teams neutralisierten sich, beide schienen das Risiko zu scheuen. Das 0:0 war ein Ergebnis, das niemanden zufriedenstellte und den Verdacht erhärtete, dass diese Gruppe weniger spektakulär war als erwartet. Österreich schlug derweil Polen mit 3:1 und übernahm die Tabellenführung.
Am letzten Spieltag brauchte Frankreich einen Sieg gegen Polen, um Gruppenerster zu werden. Es reichte nur zu einem 1:1, trotz eines Elfmetertors von Mbappé. Lewandowski, nun fit, verwandelte einen Strafstoß zum Ausgleich und sicherte Polen wenigstens einen Punkt — den ersten und einzigen des Turniers. Parallel trennten sich Österreich und die Niederlande 3:2 in einem dramatischen Spiel. Österreich gewann und sicherte sich sensationell den Gruppensieg.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In sechs Spielen fielen nur zehn Tore, wobei nur zwei Begegnungen mit einem Sieg endeten. Die Todesgruppe war mehr Abnutzungskampf als Torspektakel. Frankreich erzielte lediglich zwei Tore in drei Spielen — und eines davon war ein Eigentor des Gegners. Die Offensive der Équipe Tricolore enttäuschte auf ganzer Linie.
Das Spiel Österreich gegen die Niederlande war das Highlight der Gruppe. Fünf Tore, Führungswechsel und ein dramatischer Schlussspurt machten diese Begegnung zum Spektakel. Ein Eigentor von Donyell Malen (6.) brachte Österreich in Führung, Romano Schmid (59.) stellte den Vorsprung nach dem Ausgleich wieder her, und Marcel Sabitzer (80.) traf zum entscheidenden 3:2. Es war die kollektive Leistung, die beeindruckte. Die Niederlande kam als Dritter weiter, aber mit dem Bewusstsein, gegen Österreich unterlegen gewesen zu sein.
Tabelle
Die Endtabelle der Gruppe D überraschte selbst Experten. Österreich beendete die Vorrunde mit 6 Punkten auf Platz eins — vor Frankreich (5 Punkte) und den Niederlanden (4 Punkte). Polen schied mit nur einem Punkt als Gruppenletzter aus und verließ das Turnier ohne Sieg.
Österreichs Gruppensieg war die größte Überraschung der gesamten Vorrunde. Frankreich auf Platz zwei bedeutete ein theoretisch schwereres Los im Achtelfinale, während die Niederlande als Dritter weiterkamen. Die Tordifferenz war ausgeglichen: Österreich erzielte sechs Treffer bei vier Gegentoren, Frankreich kam auf zwei Tore bei drei Gegentreffern — eine erschreckend schwache Bilanz für einen Titelfavoriten.
Die Statistiken zeigten ein klares Bild: Österreich war das aktivste Team der Gruppe mit den meisten Torschüssen und der höchsten Pressing-Intensität. Frankreich hingegen spielte reaktiv und wartete auf Fehler des Gegners — eine Taktik, die gegen Rangnicks aggressiven Ansatz nicht aufging. Die Niederlande fand sich in der Mitte wieder: weder dominant noch unterlegen, aber mit genug Qualität, um weiterzukommen.
Highlights
Die Sensation aus Wien war das dominierende Thema dieser Gruppe. Ralf Rangnicks Pressing-Fußball funktionierte perfekt, und die Mannschaft bewies, dass taktische Disziplin und kollektive Stärke auch gegen individuell überlegene Gegner zum Erfolg führen können. Der 1:0-Sieg gegen Frankreich war das Statement, der 3:2-Erfolg gegen die Niederlande die Bestätigung. Dass Österreich im Achtelfinale an der Türkei scheiterte, minderte diese Leistung nicht. Die Art und Weise, wie das Team Frankreich und die Niederlande dominierte, war beeindruckend und ein Beleg für die Arbeit, die Rangnick geleistet hatte.
Frankreichs Offensivprobleme wurden in dieser Gruppe offensichtlich. Nur zwei Tore in drei Spielen — und eines davon ein Eigentor des Gegners — entsprachen nicht den Erwartungen an eine Mannschaft mit Mbappé, Griezmann und Dembélé. Die Équipe Tricolore wirkte gehemmt, risikoscheu und ideenlos. Dass sie trotzdem das Halbfinale erreichte, lag mehr an der individuellen Klasse in der Defensive als an spielerischer Überlegenheit. Die französische Presse sprach von einer „Krise der Kreativität“ und stellte Deschamps‘ Taktik in Frage.
Robert Lewandowskis Elfmetertor gegen Frankreich war ein würdiger Abschied von der EM-Bühne. Ob es sein letztes Turnier war, blieb offen, aber der 35-Jährige zeigte einmal mehr seine Nervenstärke vom Punkt. Für Polen war es ein Trost in einer ansonsten enttäuschenden Turnierausgabe, die ohne Sieg endete. Die polnischen Fans feierten ihren Stürmer trotzdem — er hatte alles gegeben, was er konnte, gegen eine übermächtige Konkurrenz.
Fazit
Die Gruppe D war die Todesgruppe, die ihrem Namen nur bedingt gerecht wurde. Statt Torspektakeln gab es taktische Abnutzungskämpfe, statt Favoritensiegen eine österreichische Sensation. Frankreich und die Niederlande kamen weiter, aber keines der beiden Teams überzeugte. Österreich war der verdiente Gruppensieger, und Polen bewies, dass die Qualität im europäischen Fußball eng beieinander liegt.
Für weiterführende Informationen zu allen Gruppenspielen und der K.O.-Phase bietet die offizielle UEFA-Turnierseite umfassende Statistiken und Analysen. Die Gruppe D bleibt in Erinnerung als Beweis dafür, dass Papierform und Realität auf dem Rasen zwei verschiedene Dinge sind.