EM 2024 VAR und Technologie: SAOT, Connected Ball und mehr
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Die EM 2024 war das technologisch fortschrittlichste Fußballturnier in der Geschichte der UEFA. VAR, SAOT und der Connected Ball revolutionierten die Schiedsrichterentscheidungen und sorgten für mehr Fairness auf dem Platz. Die Kombination aus modernster Technologie und menschlicher Expertise machte die EURO in Deutschland zum Maßstab für zukünftige Turniere.
Der Video Assistant Referee (VAR) war bereits bei der EM 2021 im Einsatz, doch bei der EURO 2024 wurde das System erheblich erweitert. Das Semi-Automated Offside Technology (SAOT) verkürzte die Entscheidungszeiten drastisch, während der Connected Ball präzise Daten über Ballkontakte lieferte. Diese Technologien arbeiteten im FTECH Hub in Leipzig zusammen, wo Experten alle Spielsituationen in Echtzeit analysierten.
Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Technologien, die bei der EM 2024 zum Einsatz kamen, und analysiert ihre Auswirkungen auf das Turnier. Von den 10 Kameras für die Abseitserkennung bis zu den 500 Signalen pro Sekunde des vernetzten Balls — die EURO 2024 setzte neue Standards.
SAOT-System: Semi-Automated Offside Technology
Das SAOT-System war die wichtigste technologische Neuerung der EM 2024. Laut Sky Sports nutzte die Semi-Automated Offside Technology 10 spezialisierte Kameras in jedem Stadion, die kontinuierlich die Positionen aller Spieler erfassten. Das System verfolgte 29 Körperpunkte jedes Spielers — von den Füßen bis zu den Schultern — und konnte so millimetergenau bestimmen, ob sich ein Angreifer im Abseits befand.
Der entscheidende Vorteil des SAOT-Systems war die Geschwindigkeit. Während frühere VAR-Überprüfungen bei Abseitsentscheidungen oft mehrere Minuten dauerten, reduzierte SAOT die durchschnittliche Zeit auf nur 25 Sekunden. Die Technologie generierte automatisch eine 3D-Animation der Spielsituation, die sowohl den Schiedsrichtern als auch den Zuschauern im Stadion und vor den Bildschirmen gezeigt wurde.
Die Präzision des Systems war beeindruckend. Die Kameras erfassten 50 Bilder pro Sekunde und sendeten die Daten in Echtzeit an den FTECH Hub in Leipzig. Dort analysierten speziell geschulte Operateure die Situationen und unterstützten die VAR-Schiedsrichter bei ihrer Entscheidung. Das menschliche Urteil blieb dabei entscheidend — die Technologie lieferte nur die Daten, die finale Entscheidung traf der Referee.
Bei der EM 2024 wurden insgesamt 8 Tore wegen Abseits aberkannt, nachdem das SAOT-System die Positionen überprüft hatte. Die schnellen und präzisen Entscheidungen wurden von Spielern, Trainern und Fans überwiegend positiv aufgenommen. Das System eliminierte die frustrierenden langen Wartezeiten, die bei früheren Turnieren für Kritik gesorgt hatten.
Connected Ball: Der vernetzte Spielball
Der adidas FUSSBALLLIEBE war mehr als nur ein Ball — er war ein hochentwickeltes Messgerät. Im Inneren des offiziellen Spielballs befand sich ein Sensor, der laut ESPN 500 Signale pro Sekunde sendete und präzise Daten über Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung lieferte. Diese Informationen waren entscheidend für die Erkennung von Handspielen und die genaue Bestimmung des Ballkontakts.
Die Technologie des Connected Ball arbeitete nahtlos mit dem SAOT-System zusammen. Wenn der Ball gespielt wurde, sendete der Sensor sofort ein Signal an die Kameras, die dann den exakten Moment der Ballabgabe erfassten. So konnte präzise bestimmt werden, ob ein Spieler zum Zeitpunkt des Passes im Abseits stand oder nicht.
Für Handspiel-Entscheidungen war der Connected Ball besonders wertvoll. Der Sensor registrierte jeden Kontakt mit dem Ball und konnte unterscheiden, ob der Ball die Hand oder einen anderen Körperteil berührt hatte. Die Vibrationsmuster waren für verschiedene Kontaktarten charakteristisch, was den VAR-Schiedsrichtern zusätzliche Informationen für ihre Entscheidungen lieferte.
Die Daten des Connected Ball wurden auch für statistische Analysen verwendet. Schussgeschwindigkeiten, Passgenauigkeit und Ballbesitzzeiten konnten in Echtzeit gemessen werden. Diese Informationen bereicherten die TV-Übertragungen und gaben den Zuschauern einen tieferen Einblick in das Spielgeschehen.
VAR-Entscheidungen: Ablauf und Statistik
Der Video Assistant Referee war bei allen 51 Spielen der EM 2024 im Einsatz. Im FTECH Hub in Leipzig arbeiteten vier VAR-Räume parallel, jeder mit einem Team aus VAR, Assistant VAR und Replay-Operateuren. Die Kommunikation mit den Schiedsrichtern auf dem Platz erfolgte über Funk, und bei strittigen Situationen konnte der Hauptschiedsrichter die Bilder am Spielfeldrand selbst überprüfen. Diese On-Field Reviews waren selten, aber spektakulär.
Die durchschnittliche Zeit für eine VAR-Entscheidung betrug bei der EM 2024 laut Euronews nur 51 Sekunden — ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Turnieren, bei denen oft mehrere Minuten vergingen. Diese Verbesserung war hauptsächlich dem SAOT-System zu verdanken, das die zeitaufwendigen Abseitsüberprüfungen erheblich beschleunigte. Die Zuschauer mussten nicht mehr minutenlang auf eine Entscheidung warten, was die Akzeptanz des Systems deutlich erhöhte.
Der VAR griff in verschiedene Spielsituationen ein: Tore und deren Entstehung, Elfmeterentscheidungen, direkte rote Karten und Spielerverwechslungen. Bei jedem Eingriff informierte der VAR den Schiedsrichter über die relevante Situation und empfahl entweder, die Entscheidung zu überprüfen (On-Field Review) oder die Originalentscheidung zu bestätigen. Die klare Kommunikation zwischen VAR und Referee war entscheidend für den reibungslosen Ablauf.
Die Akzeptanz des VAR war bei der EM 2024 höher als bei früheren Turnieren. Die schnelleren Entscheidungen und die transparenten 3D-Animationen trugen dazu bei, dass Spieler und Trainer die Technologie weniger kritisierten. Dennoch gab es vereinzelt kontroverse Situationen, etwa beim Handspiel-Elfmeter im Achtelfinale Deutschland gegen Dänemark, der nach VAR-Überprüfung gegeben wurde und das Spiel entschied.
Das Team im FTECH Hub arbeitete rund um die Uhr während der Spieltage. Jeder VAR-Raum war mit modernster Technik ausgestattet: Dutzende Monitore, blitzschnelle Internetverbindungen und spezielle Software zur Bildanalyse. Die Operateure konnten jede Spielszene aus verschiedenen Winkeln betrachten und dem VAR-Schiedsrichter die relevanten Perspektiven zeigen.
Statistik: Zahlen und Fakten
Die Zahlen der EM 2024 dokumentieren den Einfluss der Technologie auf das Turnier. Laut ESPNs VAR-Analyse wurden insgesamt 8 Tore nach VAR-Überprüfung wegen Abseits aberkannt, darunter drei Treffer von Romelu Lukaku für Belgien — ein Rekord, der den Stürmer sichtlich frustrierte und ihn zum unglücklichsten Spieler des Turniers machte. 8 Elfmeter wurden nach VAR-Eingriff gegeben, von denen 6 verwandelt und 2 verschossen wurden.
Die Gesamtzahl der VAR-Eingriffe lag bei 42, verteilt auf 51 Spiele. Das entspricht etwa 0,82 Eingriffen pro Spiel — ein moderater Wert, der zeigt, dass die Technologie gezielt und nicht inflationär eingesetzt wurde. Die meisten Eingriffe betrafen Abseitssituationen (18), gefolgt von Elfmeterentscheidungen (12) und Torüberprüfungen (10). Rote Karten und Spielerverwechslungen machten nur einen kleinen Teil aus.
Die durchschnittliche Überprüfungszeit von 51 Sekunden war ein Rekordwert für ein UEFA-Turnier. Im Vergleich dazu lag die durchschnittliche Zeit bei der WM 2022 noch bei über 70 Sekunden, und bei der EM 2021 waren es sogar über 80 Sekunden. Die Verbesserung war direkt auf das SAOT-System zurückzuführen, das Abseitsentscheidungen von durchschnittlich 70 auf 25 Sekunden verkürzte.
Die Erfolgsquote der VAR-Entscheidungen lag laut UEFA-Angaben bei über 95 Prozent. Das bedeutet, dass in fast allen Fällen die korrekte Entscheidung getroffen wurde. Die wenigen umstrittenen Situationen betrafen meist Handspiele, bei denen die Regeln selbst interpretationsbedürftig sind. Die Technologie lieferte die Daten — die Interpretation blieb menschlich.
Fazit
Die Technologie der EM 2024 setzte neue Maßstäbe für den internationalen Fußball. VAR, SAOT und Connected Ball arbeiteten zusammen, um schnellere und präzisere Entscheidungen zu ermöglichen. Die durchschnittliche Überprüfungszeit von 51 Sekunden und die hohe Akzeptanz bei Spielern und Fans zeigen, dass die Technologie ausgereift ist.
Alle technischen Details und Statistiken zu den VAR-Entscheidungen finden sich auf der offiziellen UEFA-Turnierseite. Die EURO 2024 in Deutschland war ein Meilenstein für den Technologieeinsatz im Fußball — und ein Vorbild für kommende Turniere.