EM K.O.-Runde 2024: Vom Achtelfinale bis zum Endspiel in Berlin
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Das EM Achtelfinale markierte den Beginn der heißen Phase. Nach drei Wochen Gruppenphase, nach 36 Spielen voller taktischer Experimente und überraschender Wendungen, begann nun das Alles-oder-Nichts. 16 Mannschaften waren noch im Rennen, aber nur eine konnte am Ende in Berlin den Pokal in die Höhe stemmen. Die K.O.-Runde der EURO 2024 lieferte 15 Partien, die zwischen dem 29. Juni und dem 14. Juli den deutschen Sommer definierten.
Das Format war bekannt, aber die Dramatik neu. Jedes Spiel konnte das letzte sein — für den Gastgeber Deutschland ebenso wie für den späteren Champion Spanien. Keine zweiten Chancen, kein Netz zur Absicherung. Diese Unerbittlichkeit verlieh jeder Partie eine Intensität, die Gruppenspiele naturgemäß nicht erreichen können. Die Tribünen waren ausverkauft, die Fernseher eingeschaltet, die Erwartungen grenzenlos.
Deutschland schied im Viertelfinale gegen Spanien aus, aber nicht ohne Kampf. England erreichte zum zweiten Mal in Folge ein EURO-Finale, ohne jemals wirklich zu überzeugen. Spanien spielte den spektakulärsten Fußball des Turniers und wurde zum alleinigen Rekordhalter mit vier EM-Titeln. Und mittendrin: Lamine Yamal, ein 17-Jähriger, der die Fußballwelt in Staunen versetzte.
Diese Chronik rekonstruiert alle acht Achtelfinals, vier Viertelfinals, zwei Halbfinals und das Finale in Berlin. Sie zeigt die entscheidenden Momente, die statistischen Besonderheiten und die menschlichen Geschichten hinter den Ergebnissen. Vom ersten Anstoß der K.O.-Runde bis zum Schlusspfiff im Olympiastadion — hier ist der Weg zum Europameister 2024.
Achtelfinale: 8 Duelle
Die erste K.O.-Runde verteilte sich auf vier Spieltage zwischen dem 29. Juni und dem 2. Juli. Acht Partien, jede mit eigenem Charakter, eigenen Helden und eigenen Dramen. Die Paarungen ergaben sich aus dem komplizierten System von Gruppensiegern, Zweiten und besten Drittplatzierten — ein Puzzle, das manchmal zu ungleichen Duellen führt, diesmal aber durchweg für Spannung sorgte. Kein Spiel war von Beginn an entschieden, kein Favorit konnte sich sicher fühlen.
Das erste Achtelfinale zwischen der Schweiz und Italien setzte ein Zeichen, das niemand überhören konnte. Die Eidgenossen, unter Murat Yakin zu einer echten Turniermannschaft gereift, zerlegten den Titelverteidiger mit 2:0. Italien wirkte müde, ideenlos, am Ende einer Ära angelangt. Remo Freuler eröffnete früh, Ruben Vargas legte nach — aber eigentlich war es die gesamte Schweizer Mannschaft, die hier einen verdienten Sieg feierte. Das Pressing funktionierte, die Konter saßen, die Mentalität stimmte. Für Luciano Spalletti und sein Team endete ein Turnier, das nie richtig begonnen hatte. Die Azzurri, 2021 noch Europameister, wirkten wie eine blasse Kopie ihrer selbst.
Deutschland gegen Dänemark geriet zu einem Spiel der besonderen Art. In Dortmund brach kurz nach Anpfiff ein Unwetter los, das den Schiedsrichter Michael Oliver zur Unterbrechung zwang. Die Spieler verschwanden in der Kabine, das Publikum suchte Schutz unter den Tribünen, und für eine halbe Stunde herrschte Chaos. Der Himmel über dem Signal Iduna Park verwandelte sich in ein Lichtermeer aus Blitzen, der Regen prasselte auf das Dach, und Experten diskutierten bereits über einen möglichen Spielabbruch. Als es weiterging, zeigte Deutschland, dass auch widrige Umstände die Konzentration nicht brechen konnten. Jamal Musiala und Kai Havertz trafen zum 2:0, ein Tor der Dänen wurde per VAR wegen Abseits aberkannt. Der Gastgeber war im Viertelfinale, aber das Wetterchaos blieb in den Köpfen der Zuschauer.
England gegen die Slowakei wurde zum ersten echten Drama dieser K.O.-Runde. Die Three Lions lagen bis zur 95. Minute 0:1 zurück, ein Ausscheiden schien besiegelt. Die englischen Fans hatten sich bereits mit dem Worst Case abgefunden, die slowakischen feierten ihren historischen Erfolg. Dann diese Szene: Jude Bellingham, mit dem Rücken zum Tor, erzielte per Fallrückzieher den Ausgleich. Ein Tor für die Ewigkeit, in einem Spiel, das England nicht verdient hatte. Die Stadionuhr zeigte 95:42, als der Ball im Netz landete. In der Verlängerung traf Harry Kane per Kopf, und die Engländer zitterten sich weiter. Gareth Southgates Team überlebte, aber überzeugte nicht — ein Muster, das sich durch das gesamte Turnier zog.
Spanien gegen Georgien endete 4:1 für den späteren Champion, aber die ersten Minuten erzählten eine andere Geschichte. Die Georgier, Debütanten auf dieser Bühne, gingen sogar durch ein Eigentor von Robin Le Normand in Führung und träumten kurz von der Sensation. Die Underdogs, angeführt von Khvicha Kvaratskhelia, spielten ohne Angst. Aber Spanien antwortete mit der Wucht einer Mannschaft, die weiß, was sie kann. Rodri glich aus, Fabián Ruiz erhöhte, Nico Williams traf doppelt — am Ende war der Klassenunterschied zu groß. Georgien verabschiedete sich erhobenen Hauptes, gefeiert von neutralen Fans für ihren Mut. Spanien marschierte weiter, ohne jemals in Gefahr geraten zu sein.
Frankreich gegen Belgien: Das Duell der Underperformer, die ihre Gruppenphase mehr überstanden als dominiert hatten. Beide Teams hatten enttäuscht, beide hofften auf die Wende in der K.O.-Runde. Frankreich gewann 1:0 durch ein Eigentor von Jan Vertonghen — ein Ergebnis, das zum gesamten Turnierverlauf der Équipe passte. Kein französischer Spieler erzielte ein Feldtor während des gesamten Turniers, aber irgendwie reichte es immer. Belgien und seine goldene Generation verabschiedeten sich endgültig, ohne jemals den großen Titel geholt zu haben. De Bruyne, Lukaku, Courtois — Namen, die Trophäen verdient hätten, aber am Ende mit leeren Händen dastanden.
Portugal gegen Slowenien wurde zum Elfmeter-Krimi, der alle Klischees bediente. Nach 120 torlosen Minuten entschied das Elfmeterschießen — und Cristiano Ronaldo stand im Mittelpunkt beider Narrative. In der Verlängerung verschoss er einen Strafstoß, als Torhüter Jan Oblak hielt. Der 39-Jährige weinte auf dem Platz, getröstet von Teamkollegen, die selbst nicht wussten, was sie sagen sollten. Im Shootout traf er dann als erster Schütze, und Diogo Costa hielt drei Elfer der Slowenen. Portugal zog weiter, aber die Bilder des weinenden Ronaldo gingen um die Welt und berührten selbst seine Kritiker.
Rumänien gegen die Niederlande endete überraschend klar mit 0:3 für Oranje. Nach dem enttäuschenden Gruppendritten meldete sich die Elftal eindrucksvoll zurück. Cody Gakpo, einer der konstantesten Spieler des Turniers, traf erneut. Donyell Malen legte doppelt nach und zeigte, warum Borussia Dortmund ihn einst verpflichtet hatte. Die rumänische Überraschungsmannschaft, die ihre Gruppe gewonnen hatte, wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Märchen endete im Achtelfinale, aber die Erinnerungen bleiben.
Österreich gegen die Türkei beschloss die Achtelfinale mit einem Duell, das Emotionen versprach und hielt. Ralf Rangnicks Team, das so begeistert hatte, traf auf eine türkische Mannschaft, die von ihren leidenschaftlichen Fans getragen wurde. Leipzig, der Spielort, verwandelte sich in ein Tollhaus aus türkischen Flaggen und österreichischer Hoffnung. Die Türkei gewann 2:1, Merih Demiral traf doppelt — einmal per Kopf, einmal nach einem Konter. Österreich ging mit Anstand, aber die Enttäuschung war groß. Die Mannschaft, die für den attraktivsten Fußball der Gruppenphase gesorgt hatte, schied aus. Manchmal belohnt der Fußball nicht die Schönheit, sondern die Effizienz. Rangnick verabschiedete sich mit dem Wissen, etwas aufgebaut zu haben — auch wenn die Krönung diesmal ausblieb.
Viertelfinale: Deutschland scheidet aus
Die vier Viertelfinals fanden am 5. und 6. Juli statt. Acht Teams, alle mit Titelambitionen, nur vier Plätze im Halbfinale. Deutschland traf auf Spanien, das Duell der beiden besten Mannschaften des Turniers — leider schon im Viertelfinale, wie viele Beobachter kritisierten. Die Auslosung hatte keine Rücksicht auf Setzlisten genommen.
Deutschland gegen Spanien in Stuttgart wurde zum Spiel des Turniers. Die Atmosphäre in der Arena war elektrisierend, 54.000 Zuschauer erlebten 120 Minuten Fußball auf allerhöchstem Niveau. Deutschland ging durch ein Kopfballtor von Dani Olmo in Rückstand, Florian Wirtz glich in der 89. Minute per Volleyschuss aus. Die Verlängerung brachte weitere Dramatik: Musiala traf den Pfosten, ein Handspiel von Cucurella blieb ungeahndet, die Spannung war kaum auszuhalten. In der 119. Minute dann die Entscheidung: Mikel Merino köpfte den Ball zum 2:1 für Spanien ins Netz. Der Gastgeber war ausgeschieden, aber mit Würde.
Die Fernsehzahlen spiegelten die Bedeutung dieses Spiels wider. Laut AGF Videoforschung verfolgten 27,154 Millionen Zuschauer in Deutschland die Partie — das entspricht einem Marktanteil von 80,9 Prozent. Bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil sogar bei 89,7 Prozent. Es war die meistgesehene Fernsehsendung in Deutschland seit über einem Jahrzehnt. Das Ausscheiden schmerzte, aber das Land hatte seinen Fußball gefeiert.
Portugal gegen Frankreich endete erneut torlos nach 120 Minuten und ging ins Elfmeterschießen. Diesmal war Frankreich am Zug: Theo Hernández, Youssouf Fofana und Jules Koundé trafen, während João Félix den entscheidenden Elfmeter verschoss. Cristiano Ronaldos sechste und vermutlich letzte Europameisterschaft endete im Niemandsland zwischen Legende und Tragödie. Er traf im Elfmeterschießen, aber es reichte nicht. Frankreich zog weiter, ohne in fünf K.O.-Spielen einen Treffer aus dem Spiel heraus erzielt zu haben.
England gegen die Schweiz war ein weiteres Elfmeterdrama. Nach 120 Minuten stand es 1:1, Bukayo Saka hatte Breel Embolo geantwortet. Im Shootout zeigte England die Nervenstärke, die ihm oft abgesprochen wird. Alle fünf Schützen trafen, während Manuel Akanji als einziger Schweizer verschoss. Southgates Team stand im Halbfinale — mit mehr Glück als Spielanteilen.
Die Niederlande gegen die Türkei war das Duell der Außenseiter. Beide Teams hatten sich ins Viertelfinale gekämpft, beide träumten vom Finale. Die Partie in Berlin war umkämpft, phasenweise chaotisch. Samet Akaydin brachte die Türkei in Führung, aber die Niederlande antwortete mit zwei Toren in fünf Minuten. Stefan de Vrij glich aus, ein Eigentor von Mert Müldür brachte die Führung. Am Ende hieß es 2:1 für Oranje. Die türkischen Fans, die das Stadion dominiert hatten, verließen es in Stille.
Halbfinale: Spanien und England
Die Halbfinals fanden am 9. und 10. Juli statt — in München und Dortmund, den beiden größten Stadien des Turniers. Spanien traf auf Frankreich, England auf die Niederlande. Vier Mannschaften, zwei Finaltickets, und die Spannung war greifbar.
Spanien gegen Frankreich in München wurde zum Spektakel. Randal Kolo Muani brachte die Équipe früh in Führung, ein überraschender Start gegen die zuvor so dominanten Spanier. Aber La Roja antwortete mit dem Tor des Turniers: Lamine Yamal, 16 Jahre alt, nahm den Ball an der Strafraumkante an und zirkelte ihn mit dem linken Fuß in den Winkel. Es war sein erster Treffer bei einer Europameisterschaft, und er kam im Halbfinale. Die Allianz Arena explodierte — zumindest die spanische Hälfte.
Dani Olmo erzielte kurz darauf das 2:1, und Spanien hielt die Führung bis zum Schluss. Frankreich versuchte alles, Mbappé rannte an, Griezmann kombinierte, aber die spanische Defensive hielt stand. Am Ende stand es 2:1 für Spanien, und Lamine Yamal hatte einen Rekord gebrochen: Mit 17 Jahren und einem Tag war er der jüngste Spieler, der jemals in einem WM- oder EM-Finale stand — Pelés Marke aus dem Jahr 1958 war übertroffen. Die Statistik ist im ESPN-Bericht dokumentiert und unterstreicht die historische Dimension dieses Talents.
England gegen die Niederlande in Dortmund folgte dem bekannten Muster der Three Lions. Die Niederlande ging durch Xavi Simons in Führung, ein wuchtiger Schuss von der Strafraumgrenze. England wankte, aber fiel nicht. Ein umstrittener Elfmeter — Denzel Dumfries traf Harry Kane im Strafraum — brachte den Ausgleich. Kane verwandelte sicher, und das Momentum kippte.
In der Verlängerung dann die Entscheidung: Ollie Watkins, eingewechselt für Kane, erzielte in der 90.+1 Minute das 2:1. Ein perfekter Schuss ins lange Eck, gefeiert wie ein Siegtreffer im Finale. England stand im zweiten EURO-Finale in Folge — diesmal als Außenseiter gegen Spanien. Die niederländischen Fans applaudierten ihrem Team, das einen guten Turnierverlauf mit einem bitteren Ende abschloss.
Das Finale: Spanien krönt sich
Am 14. Juli 2024 versammelten sich 71.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion zum Finale der UEFA EURO 2024. Spanien gegen England — ein Duell zwischen dem besten Team des Turniers und dem hartnäckigsten. Die spanische Offensive gegen die englische Widerstandsfähigkeit. Luis de la Fuente gegen Gareth Southgate. Die Geschichte schrieb sich an diesem Sonntag selbst.
Das Spiel begann ausgeglichen, beide Teams respektierten den Gegner. England verteidigte tief, Spanien kontrollierte den Ball. In der 47. Minute dann der Führungstreffer: Nico Williams, einer der Spieler des Turniers, nahm eine Flanke von Yamal an und schoss ins kurze Eck. Spanien führte, und das Spiel öffnete sich.
England antwortete mit dem Mut der Verzweiflung. Cole Palmer, eingewechselt in der 70. Minute, erzielte in der 73. Minute den Ausgleich — ein präziser Schuss, der Torhüter Unai Simón keine Chance ließ. Das Finale war wieder offen, beide Teams spürten, dass die Entscheidung nahe war.
Sie kam in der 86. Minute. Mikel Oyarzabal, ebenfalls eingewechselt, staubte am zweiten Pfosten ab und traf zum 2:1. Spanien führte wieder, und diesmal hielt die Führung. Die letzten Minuten waren hektisch, England warf alles nach vorn, aber Spanien verteidigte mit der Routine eines Champions. Der Schlusspfiff löste die Ekstase auf spanischer Seite aus.
Spanien wurde damit zum alleinigen Rekordhalter: Vier Europameistertitel, mehr als jede andere Nation. Das UEFA Tournament Summary dokumentiert einen weiteren Rekord: Spanien war die erste Mannschaft, die alle sieben Spiele einer EURO gewann. Keine Niederlage, kein Unentschieden — eine makellose Bilanz, die den dominanten Eindruck des Turnierverlaufs bestätigte. Weltweit verfolgten 320 Millionen Menschen das Finale live im Fernsehen, die höchste Einschaltquote des Turniers.
Trainer Luis de la Fuente lobte nach dem Halbfinale insbesondere Lamine Yamal: „Wir haben ein Genie gesehen, das Produkt eines Genies“ — eine ESPN dokumentierte Aussage, die den Status des Teenagers unterstrich. Der 17-Jährige hatte das Turnier mit seiner Unbekümmertheit geprägt — der jüngste Spieler, der jüngste Torschütze, der jüngste Finalteilnehmer. Seine Zukunft scheint grenzenlos, und die EURO 2024 war sein Durchbruch auf der größten Bühne. England blieb zum zweiten Mal in Folge der letzte Schritt zum Titel verwehrt. Southgate trat nach dem Turnier zurück, die Suche nach einem neuen Trainer begann sofort. Die Three Lions haben die Qualität für den Titel, aber irgendetwas fehlt noch.
Der Turnierbaum
Die Struktur der K.O.-Runde teilte die 16 verbliebenen Teams in zwei Hälften. Die linke Seite des Turnierbaums versammelte Deutschland, Dänemark, Spanien, Georgien, Portugal, Slowenien, Frankreich und Belgien. Die rechte Seite brachte Schweiz, Italien, England, Slowakei, Rumänien, Niederlande, Österreich und die Türkei zusammen. Diese Aufteilung ergab sich aus den Gruppenergebnissen und der festgelegten Zuordnung der besten Drittplatzierten.
Die Konsequenz war bedeutsam: Die Sieger der linken Seite trafen sich im Halbfinale, die der rechten ebenfalls. Das bedeutete, dass Spanien und Deutschland bereits im Viertelfinale aufeinandertreffen konnten — was dann auch geschah. Kritiker bemängelten diese frühe Paarung der vermutlich besten Teams, aber das Reglement ließ keinen anderen Weg zu.
Auf der linken Seite setzte sich Spanien durch: Achtelfinale gegen Georgien, Viertelfinale gegen Deutschland, Halbfinale gegen Frankreich. Drei unterschiedliche Gegner, drei unterschiedliche Herausforderungen, alle gemeistert. Die rechte Seite gehörte England: Achtelfinale gegen die Slowakei, Viertelfinale gegen die Schweiz, Halbfinale gegen die Niederlande. Der Weg schien leichter, aber die Spiele waren es nicht.
Interessant war der Vergleich der Spielverläufe. Spanien erzielte in der K.O.-Runde insgesamt sechs Tore aus dem Spiel heraus, England nur drei — wobei zwei davon in der Verlängerung fielen. Die Iberer dominierten ihre Partien, die Engländer überlebten sie. Beide Wege führten ins Finale, aber die Art der Qualifikation sagte viel über die Mentalität der Teams aus.
Der Turnierbaum bestätigte auch eine alte Weisheit: Der Weg zum Titel führt durch schwere Gegner. Spanien schlug Deutschland, Frankreich und England — drei der vier Topfavoriten. Ein würdigerer Weg zur Krönung lässt sich kaum konstruieren.
Entscheidungen in der Verlängerung
Die K.O.-Runde der EURO 2024 lieferte eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Spielen, die über die reguläre Spielzeit hinausgingen. Vier der 15 Partien gingen in die Verlängerung, drei davon ins Elfmeterschießen. Die 90 Minuten reichten oft nicht aus, um einen Sieger zu ermitteln — ein Zeichen für die taktische Disziplin und die Ausgeglichenheit auf diesem Niveau.
Im Achtelfinale zwischen England und der Slowakei entschied Bellinghams Fallrückzieher in der 95. Minute, Kane legte in der Verlängerung nach. Portugal und Slowenien trennten sich nach 120 Minuten torlos, die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen. Beide Partien zeigten, wie dünn die Grenze zwischen Weiterkommen und Ausscheiden sein kann — ein verpasster Schuss hier, ein gehaltener Elfmeter dort.
Im Viertelfinale ging das Duell Deutschland gegen Spanien in die Verlängerung. Wirtz‘ später Ausgleich in der 89. Minute hatte dem Gastgeber Hoffnung gegeben, Merinos Kopfball in der 119. Minute zerstörte sie. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können — Musiala traf den Pfosten, ein Handspiel blieb ungeahndet. Aber Fußball ist keine Frage des Verdienens, sondern des Ergebnisses. Portugal gegen Frankreich endete erneut torlos nach Verlängerung, wieder entschied das Elfmeterschießen.
Die Statistik der Verlängerungen offenbarte interessante Muster. Teams, die in der Gruppenphase weniger dominant aufgetreten waren, neigten eher zu Spielen über 90 Minuten hinaus. England etwa benötigte in drei von vier K.O.-Spielen entweder die Verlängerung oder das Elfmeterschießen. Spanien hingegen entschied drei von vier Partien in der regulären Spielzeit — nur gegen Deutschland reichten 90 Minuten nicht.
Das Elfmeterschießen als Entscheidungsmethode bleibt umstritten, aber bei diesem Turnier funktionierte es als Spannungsverstärker. Die Duelle Portugal-Slowenien und Portugal-Frankreich sowie England-Schweiz sorgten für kollektives Zittern vor den Bildschirmen. Wer trifft? Wer vergibt? Diese Fragen beantworteten sich Schuss für Schuss, und jeder einzelne konnte ein Turnier beenden.
Highlights der K.O.-Runde
Die 15 Spiele der K.O.-Runde produzierten Momente, die in die Geschichte des Turniers eingehen werden. Manche waren geplant, viele spontan, alle unvergesslich. Hier die prägendsten Szenen, die diese Phase der EURO 2024 definierten.
Lamine Yamals Tor gegen Frankreich im Halbfinale steht für sich. Ein 16-Jähriger, der im größten Spiel seiner jungen Karriere einen Ball so zirkelt, als hätte er nie etwas anderes getan. Der Schuss passte millimetergenau, die Bedeutung war immens. Es war nicht nur ein Ausgleichstreffer, es war eine Ankündigung: Hier kommt einer, der den Fußball prägen wird. Luis de la Fuente nannte ihn „ein Genie“, und für einmal war keine Übertreibung nötig.
Jude Bellinghams Rettungstat gegen die Slowakei wird in England noch Generationen beschäftigen. Dieser Fallrückzieher in der 95. Minute, geboren aus Verzweiflung und technischer Brillanz, rettete ein Turnier, das für die Three Lions bereits verloren schien. Ohne diesen Treffer wäre Englands Weg im Achtelfinale beendet gewesen — mit ihm ging es weiter bis ins Finale.
Florian Wirtz‘ Ausgleich gegen Spanien verdient einen Platz in der deutschen Fußballgeschichte. Ein Volleyschuss in der 89. Minute, als alles verloren schien. Die Mercedes-Benz Arena in Stuttgart explodierte, und für einen Moment glaubte ein ganzes Land an das Wunder. Es reichte nicht, aber dieser Treffer symbolisierte den Kampfgeist, den das Team unter Nagelsmann entwickelt hatte.
Cristiano Ronaldos Tränen nach dem verschossenen Elfmeter gegen Slowenien berührten auch jene, die ihm kritisch gegenüberstehen. Der 39-Jährige, bei seinem sechsten EURO-Turnier, haderte mit sich und der Situation. Sein Team tröstete ihn, und im Elfmeterschießen traf er dann. Aber die Bilder des weinenden Superstars zeigten: Auch die Größten sind verletzlich, auch die Erfahrensten können zweifeln.
Spaniens kollektive Stärke verdient den Abschluss dieser Aufzählung. Keine Einzelaktion, sondern ein Teamwork, das sich durch das gesamte Turnier zog. Rodri im Mittelfeld, Carvajal in der Defensive, Nico Williams und Yamal auf den Flügeln — jeder spielte seine Rolle perfekt. Der UEFA Tournament Summary listet Spanien mit 15 Toren als offensivstärkstes Team des Turniers — ein Wert, der die Dominanz der Iberer untermauert. Die K.O.-Runde bestätigte, was die Gruppenphase angedeutet hatte: Spanien war die beste Mannschaft dieser Europameisterschaft.